Von der Neugier und dem Segen der Unwissenheit

Stefan hat als Journalist schon für viele Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet. Er lebt in Hamburg und ist der Vater sowie beste Ratgeber von Luise, der Gründerin von talispost.

Das Ungefähre ist mir suspekt, Kontrolle scheint für mich erfunden zu sein und planende Vorausschau betrachte ich als eine Tugend. Schon als junger Familienvater habe ich Lebens-Layouts für meine kleine Tochter entworfen, Hindernisse antizipiert, gedanklich beiseite geräumt und klare Vorstellungen für das Leben im Alter mit meiner geliebten Frau entworfen. Gerne hätte ich mich manchmal mit einem Blick in die Zukunft vergewissert, dass ich vor dem Hintergrund meiner Wünsche alles richtig mache. Das war – allen Mächten sei Dank – natürlich nicht möglich!

Wahrscheinlich hätte ich die Konsequenzen meiner Neugier auch nicht ertragen. Denn alles ist anders gekommen. Ich hätte existenzielle Krisen gesehen, schwere Krankheiten, den viel zu frühen Tod meine Frau, hätte verzweifelt auf Irrwege, auf Umwege, geblickt und fortan Schmerz empfunden. Und ich hätte mich gefürchtet.

Nein, dieses Leben hätte ich nicht gerne gelebt! Dabei ist es das beste Leben meines Lebens! Voll von Momenten, in denen die Unwissenheit triumphierte. Sie hat die Empfindung von Glück im Augenblick erst möglich und damit den zarten Klang unserer Seelen erst hörbar gemacht. Sie ermöglichte ein Leben voller Kraft durch naive Entschlossenheit, voller Demut für das Unabänderliche und Weisheit, die Irrtümer verzeiht.

Heute bin ich dankbar für das, was ist, verharre nicht in Erwartung für das Geplante. Und ich vertraue darauf, dass es jenseits meiner Möglichkeiten irgendwo eine Macht gibt, die es gut mit mir meint. Meine Neugier? Sie ist geblieben. Aber sie gilt nicht mehr dem Blick in die Zukunft, nur noch den Menschen!